Rennsport Mythos Cobra

Die Cobra ist ein Auto, welches Rennsport-Geschichte geschrieben hat und von Rennfahrer Carroll Shelby einzig für erfolg- und siegreiche Motorsportrennen konzipiert wurde. Um durch die daraus resultierende Popularität und Aufmerksamkeit den Autoabsatz zu steigern. Obwohl die Cobra im Rennsport nicht unbedingt als Nonplusultra galt, wurde mit den Rennsport-Erfolgen in den Sechziger Jahren der Grundstein für den bis heute andauernden Mythos Cobra geschaffen.

Vom Beginn einer Erfolgsgeschichte

In lokalen USA Rennen schlug sich die Cobra, dank ihres Beschleunigungsvermögen durch ihr hervorragendes Leistungsgewicht, auf kurzen Rundkursen mit vielen Geschwindigkeitsänderungen ganz gut. Wohingegen sie bei internationalen Langstreckenrennen und auf Hochgeschwindigkeitskursen nicht mithalten konnte, denn hier waren Vollgasfestigkeit und hohe Spitzengeschwindigkeit gefordert, welche leider nicht zu den Stärken der Cobra Rennwagen gehörten. Anfang der Sechziger Jahre galten aerodynamisch ausgefeilte Coupes mit minimalem Luftwiderstand als die potentiellen Sieger im Rennsport. Das musste sich auch Shelby 1963 beim ersten Einsatz seiner Cobras in Le Mans bitter eingestehen. Die zwei von Ed Hugus und AC Cars eingesetzten Mk II Cobras waren trotz montiertem Hardtop auf der langen Mulsanne Geraden gegenüber den schnellen Ferraris massiv im Nachteil. Die von AC Cars eingesetzte rechts gelenkte Cobra belegte Platz 7 nach 6 vor ihr ins Ziel gegangenen Ferraris. Fest stand nun für Shelby und lag klar auf der Hand für alle, dass der Roadster eine zu niedrige Höchstgeschwindigkeit erreichte um auch Langstreckenrennen-Erfolge siegreich einzufahren.

Aus der Not geboren auf dem Weg zum Erfolg

Nach dem Langstreckenrennen-Misserfolg in Le Mans beschlossen Shelby und Ford sich beim internationalen Rennsportgeschehen auf das erfolgversprechendere GT40 Projekt zu konzentrieren. Da die Entwicklungsarbeiten des auf dem Lola basierenden GT40 aber noch in den Anfängen steckten musste Shelby erst mal umdisponieren und entschied sich für den Entwurf des Jungdesigners Peter Brock, welcher vorsah, das Chassis einer 289 Cobra mit einem aerodynamische Coupe-Aufbau zu versehen, welches dank einer Reglementsänderung bei der Homologation(Zulassungsvorschrift) von GT Rennsportwagen durch die FIA in Erwägung gezogen und umgesetzt werden konnte. Auf Grund der neuen Zulassungsvorschrift (Homologation) für die GT-Klasse war es nicht mehr nötig ganze 100 Stück dieses Fahrzeugtyps zu bauen, um so auch kleineren Sportwagen-Herstellern die Möglichkeit zu geben ihre Rennsportwagen für eine Teilnahme in der GT Klasse zu modifizieren und ins Rennen schicken zu können. Peter Brock`s kleines Entwicklungsteam umfasste Ken Miles, den wohl besten Rennfahrer in Shelby`s Team, sowie den Rennmechaniker John Olsen, welche im September 1963 mit den Arbeiten am Cobra Coupe starteten.
Ziel war es einen Rennwagen zu schaffen, bei dem ein windschlüpfiger Karosserieaufbau aus Aluminium auf den bestehenden Cobra Rohrrahmen montiert werden sollte, um den Luftwiderstand optimal zu minimieren. Um dem geltenden FIA Vorschriften gerecht zu werden, musste der Rennwagen über Frontscheiben, Seitenscheiben und einen Platz für das Reserverad verfügen. In Peter Brock`s früherer Arbeit für GM hatte er sich intensiv mit den Theorien des deutschen Aerodynamikers Dr. Kamm aus den 30ger Jahren beschäftigt. Brock`s Entscheidung fiel daher auf einen projektilförmige Karosserie mit einer scharfen Abrisskante, dem so genannten „Kamm-Heck“.

Geschaffen für den Sieg

Diese innovative Konstruktion versprach großen Abtrieb bei hohen Geschwindigkeiten und dies bestätigten auch die ersten Tests im Februar 1964. Bereits wenige Wochen später erfuhr das Coupe seinen ersten Renneinsatz beim Daytona Continental Race. Die neue innovative Konstruktion der Cobra bewährte sich auch in der Praxis, denn der neu konstruierte Rennwagen dominierte die gesamte
Renn-Konkurrenz inklusive der Ferraris und fuhr die schnellste Rennrunde ein, bevor die Cobra mit einem Differenzialschaden an die Boxen fahren musste und dort leider bei den über motivierten Reparaturarbeiten Feuer fing. Trotz allem galt der erste Renneinsatz des Wagens als Erfolg, denn Zuschauer und Presse waren stehend beeindruckt und fortan nannte man das Coupe in Anlehnung an seinen ersten Renneinsatzort „Cobra Daytona Coupe“. Ford wollte ab nun an Shelby beim Ziel die GT Weltmeisterschaft zu gewinnen auf ganzer Linie unterstützen. Und so wurden bei der Carrozzeria Gran Sport in Italien weitere 5 Daytona Coupes in Auftrag gegeben.

Der geborene unschlagbare Sieger

Das Le Mans Rennen im Jahr 1964 bildete den Auftakt zu einer über 2 Jahre andauernden Siegesserie der Cobra. Die beim Le Mans Rennen eingesetzten zwei Cobra Daytona Coupes waren allen GT Klasse Konkurrenten weit überlegen und kämpften an vorderster Front mit den schnelleren Rennwagen der Prototypen-Klasse. Die Rennfahrer Bob Bondurant und Dan Gurney konnten letztendlich einen sensationellen Platz 4 im Gesamtklassement einfahren. Und konnten einen Sieg in der GT Klasse, wo die bis dahin als nahezu unbesiegbar geltenden Ferraris des Typs 250 GTO allesamt bezwungen wurden, feiern. Danach konnte Cobra noch viele weitere Rennerfolge verbuchen. Jedoch als der GP von Monza abgesagt wurde, musste Shelby American in der GT Weltmeisterschaft Ferrari den Vortritt lassen.
1965 verzichtete Ferrari freiwillig auf einen Start in der GT Klasse, da man einsehen musste , dass man dem Cobra Daytona Coupes keinen konkurrenzfähigen Rennwagen entgegensetzen konnte. Die Cobra wurde nun vom Briten Alan Mann eingesetzt, während Shelby selbst mit dem neuen Ford GT40 Rennwagen startete.

Der ausgemusterte Mythos

Daraus resultierten 1965 acht überragende Siege in 10 Rennen und der Sieg in der Konstrukteurswertung. Nach Ende der Rennsaison 1965 verloren Ford and Shelby ihr Interesse an den Daytona Coupes, da sie keine interne Konkurrenz duldeten und sich nun vollständig auf das GT40 Projekt konzentrieren wollten. Die Rennwagen blieben noch einige Zeit in England, wurden dann aber wieder zu Shelby American zurückgeschickt, um die in England geltenden exorbitant hohen Zölle zu umgehen. Shelby blieb auf den ausrangierten Daytona Coupes sitzen und es dauerte Jahre bis diese zu einem Preis von 5000 US Dollar endlich verkauft werden konnten. Das ist aus heutiger Sicht kaum zu glauben, denn die Daytona Coupes zählen zu den gesuchtesten und teuersten Modellen aller Original Cobras. Bekannt ist, dass in Amerika ein Cobra Daytona Coupe CSX 2287 in desolatem Zustand für die stolze Summe von 3 Millionen US Dollar verkauft worden ist.

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